Der Fluss war fröhlich, die Erde heiter, die Luft hell. Außer wenn sie von kleinen Rauchfetzen kurz trübe und rußig wurde. Diese Fetzen stiegen aber nicht schnell über die Sonne hinweg, so wie man es von windigen Tagen kennt, aus Fabriken oder ähnlichem, nein, sie waren noch kürzer frequentiert und quollen aus den Pistolenläufen meines Vaters hervor.

Wir waren kurz hinter Kitzingen auf dem Main unterwegs.  Nette und Prosit, das sind die lieblichen und süffisanten Namen der tonnenschweren und übermotorisierten Stahlschiffe meines Vaters und seines guten Freundes Uli. Wie vertraut flossen die beiden mal hintereinander, mal nebeneinander durch das Unterwasser des Mains. Wie zwei geduldige Spielkameraden am Schachbrett. Also fast stillstehend.

Zum besseren Steuern des Schiffes hatte mein Vater vor ein paar Jahren ein Loch in das Dach des Führerhäuschens geschweißt. Er hat seitdem beim Fahren deutlich mehr frische Luft und einen weit besseren Überblick über den Verkehr. Einer der günstigen Nebeneffekte des Loches in der Decke war auch der, dass man jetzt quasi einen Schießstand hatte, einen Hochsitz, von dem aus man auf Algen, Hölzer und tote Schwäne schießen konnte.

„Fire everything!“

 

Schon am frühen Morgen, auf Mainkilometer 285, machte mich mein Vater mit den wichtigsten Regeln der Schifffahrt vertraut, die nichts anderes waren als die wichtigsten Regeln seiner Schifffahrt: Die Pistolen mussten immer geladen sein, falls wirklich mal ein lohnenswertes Ziel vorbeikam, und das Schleusenbier musste kaltgestellt werden.

MS Nette ist ein „gemütliches“ Schiff. Wie ein Wohnwagen auf dem Wasser. Ein echter Oldtimer. Es ist keine neue Luxuskarosserie, sondern wurde in den 1930er Jahren gebaut und diente als Arbeitsschiff, fuhr unter Hakenkreuzfahne und musste im Laufe der Jahre erst seinen Stil finden. Jetzt ist es unvergleichlich. Immer wieder wurde es lackiert, mal wurde ihm der Innenraum herausgerissen, plötzlich stockte man es auf, eine neue Kabine hier, ein neues Plätzchen dort und schon wurde aus dem Naziarbeitsschiff das, als was es jahrelang von meiner Mutter bezeichnet wurde: ein Familienfluchtfahrzeug.

Unsere Reise über den Main war keine übliche. Es ging um etwas. Übermorgen würden die Feierlichkeiten stattfinden, denn dann hatte mein Vater eines seiner großen Kapitäns-Ziele erreicht und alle schiffbaren Kilometer des Mains befahren. Obwohl der Main eine Fließlänge von knapp 500 Kilometern hat, wenn man den Weißen Main mitzählt und sogar über 500 Kilometer, wenn man seinen zweiten Quellfluss, den Roten Main mitrechnet, ist er nur bis auf die Höhe von Bamberg schiffbar. Von dort bis an die Mainspitze, gegenüber von Mainz, sind es 388 Kilometer. Für diese Strecke braucht das alte Motorsportboot Nette, wenn man es gut meint, locker 35 Stunden (reine Fahrzeit!). Hinzu kommen 34 Staufstufen und, wenn man Pech hat, die Staus vor diesen Schleusen.

Mein Vater war mit seinem Freund Uli schon zwei langsame Wochen von Mainz aus unterwegs und ich stieg in der bayerischen Kleinstadt Kitzingen hinzu. Dort hatte ich gestern Vormittag als erstes drei Kisten Bier aus dem Innenraum des Schiffes entfernen müssen und wurde dann zum nahgelegenen Supermarkt geschickt, neues kaufen. Als Sohn und Freund ließ ich mir alles sagen. Ich war in ihren Augen nur ein Kadett, ein Unbedarfter, eine trockene Landratte. Dabei sahen die beiden selbst nicht gerade nach Seebären aus. Man könnte sie als ganz untypische Kapitäne beschreiben. Sie waren zwar oft alkoholisiert aber immer rasiert.

Am ersten Tag meiner Mitfahrt windete es zu Beginn kräftig und wir schützten uns vor den Böen und der aufsteigenden Gicht, mitten im August, mit den Baumwollmützchen unserer Mutter und Frau. Und dann sah ich vor mir die erste Staustufe. Mein Vater gab die Frequenz in sein stationäres Funksystem ein und schickte einen Funkruf voraus: „Guten Tag, Staustufe Dettelbach, hier spricht Sportboot Nette im Unterwasser.“ – Dann warteten wir kurz. Es dauerte länger, als wir dachten. Die Staustufen werden nicht immer direkt vor Ort, sondern von einer zentral gelegenen und größeren Station gesteuert. Dann die Antwort: „Ja, Staustufe Dettelbach hört.“ – „Guten Tag. Wir sind zwei Sportboote und würden gerne hochgeschleust werden, wie sieht das im Moment bei Ihnen aus, bitte?“ – „Da sind noch zwei Gütermotorschiffe im Unterwasser, beziehungsweise schon in der Schleuse auf dem Weg nach unten. Danach kann ich sie nach oben schleusen.“

Wir dümpelten also vor der Staustufe herum und warteten auf die zwei Frachter, um nach oben zu kommen. Und obwohl man sonst länger wartet, hatten wir an dieser Schleuse Glück und konnten schon nach wenigen Minuten sehen, wie sich die Schleusentore öffneten und die Frachter relativ zügig Richtung Kitzingen davonfuhren.

Nun ist die Einfahrt in eine Schleuse und der Vorgang des Schleusens an sich, unterschiedlich aufregend, da alles immer von mehreren Faktoren abhängig ist: Wie viele und welche Boote und Schiffe befinden sich mit einem in der Schleuse? Wie hoch ist der „Fall“, also wie viele Meter wird man nach oben oder unten geschleust? Wie schnell pumpen die Pumpen Wasser in die Schleuse, also wie schnell steigt man?

Alles ist auch abhängig vom aktuellen Wasserstand des Flusses, der Kühnheit des Schleusers, vom Steuerrad des Kapitäns. Bei all dem machte uns die Staustufe Dettelbach keine Probleme, das heißt, wir wurden in der 300 Meter langen Kammer alleine geschleust und fuhren deshalb an das vordere Ende der Staustufe, die man vom längeren hinteren Teil abtrennen konnte. Dadurch sparte der Schleuser Wasser, Zeit und Energie. Und da wir uns alleine in der etwa fünf Meter tiefen Grube befanden, in der langsam das Wasser stieg, hatten wir auch keinen Ärger mit großen Frachtern, die in der Schleuse womöglich ihre Motoren angeschmissen hätten, um dem einströmenden Wasser durch Lenkmanöver entgegenzuwirken und nicht von der Wand der Schleuse weggedrückt zu werden. Wir mussten das Boot eigentlich nur sorgfältig an eine der Treppen steuern und ein Seil um einen Anlegepoller binden, das gleichzeitig mit dem steigenden Wasser auf die nächst höher liegenden Befestigungsvorrichtungen umgelegt werden musste.

Wenn man das richtig machte, wurde es langsam heller, langsam bekam man wieder Luft. Das Wasser würde steigen und bald könnte man den auf einer Höhe mit einem liegenden Main vor einem erkennen. Und wir machten alles richtig.

Wir fuhren aus der Schleuse heraus, wir versteckten die Pistolen und gaben per Funkspruch Dettelbach unseren Dank durch. Wir tranken erstmal zusammen Schleusenbier.

Den Bootsführerschein verliert man nicht so schnell.

Das Buch „Der amtliche Sportbootführerschein – Binnen“ führt im Anhang die „Sportbootführerscheinverordnung – Binnen“ auf. Der Paragraph §10a, „Ruhen der Fahrerlaubnis“, erklärt, in welchen Fällen einem Kapitän die Fahrerlaubnis entzogen werden darf. Und da muss schon einiges zusammenkommen. Wenn es sich um ein alkoholisches Problem handelt, dann muss der Kapitän mehrfach (!) mit einer Blutalkoholkonzentration von 0,8 Promille oder mehr ein Sportboot geführt haben, dabei erwischt werden und zu einer Geldbuße wegen dieser Ordnungswidrigkeit verurteilt werden. Die Geschwindigkeit des Bootes macht es allerdings nicht möglich, am Tag mehr als acht Schleusen zu durchfahren. Das sind acht Schleusen mal 0,5 Liter. Vier Liter à 5% ergeben eine Blutalkoholkonzentration von…naja, sagen wir, es ist doch möglich.

Vor uns lagen aber nur noch vier Schleusen bis Schweinfurt. Anfänglich wollten wir so viele Kilometer gar nicht fahren, aber die Schleusen bis dorthin kosteten keine Zeit und der Verkehr auf dem Main war, trotz der Ferien, gering. Wir machten mit den Schiffen an der Kaimauer in Schweinfurt fest und trugen den großen Briard-Hütehund, der uns begleitete, und den ich fast vergessen hätte, auf die Promenade. In der Schweinfurter Innenstadt lachten wir über ein großes Kunstmuseum und eine darin stattfindende Ausstellung des Künstlers Ferdinand Hodler.

Wir, als Personen, waren bei unserem Rundgang durch die Stadt allerdings weniger gefragt als der große französische Hund an unserer Seite. Viele schüttelten offensichtlich den Kopf und flüsterten ihren Partnern leise zu, dass man einen solchen Hund nicht zu scheren habe. Es dauerte auch nicht lange, bis eine aufgeschreckt wirkende und stark verhärmte Frau von der anderen Straßenseite auf uns zu kam und mit leicht empörter Miene ihre Kennerschaft und ihren Hochmut mit den Worten „War das mal ein Briard??“ Ausdruck verlieh. Wir lachten nur, antworteten nicht und gingen weiter Schleusenbier trinken.

Das war mal ein Briard.

Der nächste Tag stellte sich, vor allem was die Staustufen anging, als viel komplizierter heraus. Schon an der ersten Station mussten wir längere Zeit warten. Das Glück an der zweiten Schleuse war wiederum von den Entscheidungen des Schleusers abhängig, der es am Ende für sicherer empfand, uns nicht mit zwei Schweizer Binnenkreuzfahrtschiffen in die Staustufe zu schicken.

Die Berufsschifffahrt hat gegenüber den Hobby-Kapitänen immer Vorrang. Gerade was das Schleusen angeht, ist das ein ungünstiger Nebeneffekt. Das schwierige Dümpeln und Treibenlassen übergingen wir, indem wir ankerten und die beiden Schiffe aneinander festbanden. Wir konnten jetzt von Schiff zu Schiff steigen, Würfeln und Kartenspielen. Wir warteten mindestens eine Stunde. Die Schleuser fragten uns per Funk, wie weit wir noch fahren wollten, um es an die anderen flussaufwärts liegenden Kollegen durchzugeben.

Nach dem Schleusen überholten und wir einen Segler, der uns während des Hochpumpens von allen Bier-, Sommer-, Stadt- und Weinfesten entlang des Mains erzählt hatte. Ob wir auf dem Bingener Weinfest gewesenen seien, ob wir auf dem Mainuferfest in Offenbach gewesen seien, ob wir auf dem Hanauer Bürgerfest gewesen seien, ob wir auf dem Aschaffenburger Volksfest gewesen seien, ob wir auch die Miltenberger Michaelismesse besuchen würden. Nein, nein, nein und nochmals nein. Er zählte alle Feste auf und es machte den Anschein, also ob er wirklich nichts anderes tat, als mit seinem Segler auf Stadtfeste zu schwimmen. Von ihm erfuhren wir auch von der Bamberger Sandkerwa, der Sandkirchweih, dem Bamberger Oktoberfest.

Da würden wir hingehen, sagten wir und er war kurz still. Dann erzählte er uns von seinen nächsten Plänen, die relativ deckungsgleich mit den Plänen meines Vaters waren. Er würde sein Segelschiff irgendwann die gesamte Donau herunterfahren, bis ins schwarze Meer, um es dort zu versenken, verkaufen oder zu verschrotten.

Schleuse Dettelbach öffnet die Tore.

 

Irgendwann und viel später als geplant erreichten wir Eltmann, wo uns Dorffußballer und Camper überschwänglich an ihrer Steganlage begrüßten. Die Männer, die vor den Booten winkten, waren dick. Überall waren jetzt echte Frankenbomber zu sehen, die gerne Klöße assen und Helles tranken.

Vom Campingplatz bis in die Innenstadt von Eltmann war es nicht weit, trotzdem wollten wir die Fahrräder benutzen. Grundsätzlich sollte man an alle wichtigen Sachen Schwimmer befestigen. Vor allen an Schlüssel. Der für das Fahrradschloss fiel uns ins Wasser und jegliche Versuche, ob sie nun darin bestanden einen Magnet an eine Schnur zu hängen und den Schlüssel zu angeln oder hinunter in den Schlamm zu tauchen, scheiterten.

Wenig Glück hatten wir zuerst auch in der Innenstadt von Eltmann, wo uns nur die leeren dunklen Gaststättenfenster entgegen gähnten. Dabei war Donnerstag ein unüblicher Tag für geschlossene Wirtshäuser. Wir mussten, wie immer, zum Griechen. Es gab Souvlaki, der Hund bekam die Reste, das Bier war schal und im Raum nebenan hörten wir lauthals den Segler mit irgendwelchen Passagieren lachen, die er in der Nähe einer Schleuse eingesammelt hatte.

Später und nachts saßen wir auf dem Steg, sahen gegenüber das Segelschiff dümpeln und tranken Weiß- und Rotwein. Ich legte mich in die Kajüte, hörte den Männern draußen zu, begann ein wenig zu schlummern, wachte wieder auf und versuchte mich kläglich an moderner Poesie:

Der Main wurde erst glücklich,

als tollkühne Männer mit Bierbäuchen,

begannen über ihn zu schwimmen,

mit Motoren und Diesel um sie herum.

Am nächsten Morgen standen wir früh auf. Wir wollten im einzigen Wassersportklub in der Nähe von Bamberg einen Platz zum Anlegen zu finden. Wir rechneten dort, aufgrund der Sandkirchweih, mit einem hohen Ansturm hunderter Ausflugsschiffe.

 

Das Ende des schiffbaren Mains.

 

Die Morgenluft war frisch, wir setzten wieder unsere Baumwollmützen auf und schossen mit der Pistole auf ein Main-Kilometerschilder. 380. Noch etwa eine Stunde und es war vollbracht. Der gesamte schiffbare Main! Der fünftausend PS-Motor der Nette vibrierte unter dem Panzer des Schiffes, es roch leicht nach Diesel, auf einmal wieder ein toter Schwan. Über uns nur hellblaue Luft, rechts und links saßen an den Ufern Angler mit freundlichem Gruß, oder es saßen große Sakralbauten an den Rändern der Dörfer, an denen wir langsam vorbei schwammen.

In all dieser Idylle und ohne Gegenverkehr geleiteten wir hintereinander in die Regnitz. Über das kleine Walkie-Talkie gaben Uli und mein Vater sich gegenseitig ihre Glückwünsche durch. Keiner war zu Tränen gerührt. Aber warum auch?

Zu aller Freude fanden wir zusätzlich einen freien Platz im ansässigen Wassersportklub. Das Anlegemanöver stellte sich als schwierig heraus, da in der Bamberger Innenstadt irgendein Wehr zum Wasserschutz geöffnet war und eine starke Strömung herrschte.

Wir liefen ins Zentrum, mit Hund und mit Durst. Während die Vorbereitungen für die Festlichkeiten am Vormittag in Bamberg, die vor allem am Ufer der Regnitz stattfanden, noch im vollen Gang waren, versuchte sich mein Vater an seine Bamberger Zeit zu erinnern. Er dachte immer wieder an die 40 Jahre zurückliegende Beziehung zu einem Mädchen namens Andrea, das hier ihre Ausbildung gemacht hatte. Jedes Wochenende sei er hier gewesen. Er erinnere sich nicht mehr.

Und dann, schon wieder!: „Die darf man nicht scheren, das darf man nicht. Das ist ein Briard!“

Ich hielt es nicht mehr aus.

„Warum darf man den nicht scheren? Wer hat das gesagt? Dieser Hund ist auch gar nicht dafür geschaffen durch Bamberg zu laufen. Vor allem nicht bei über 30 Grad. Der gehört irgendwo auf eine französische Alm. Und weil der hier nicht hingehört, darf man ihn auch scheren. Der würde umgekommen, Sie ignorante Sau.“

Es ist wohl ein ungeschriebenes Gesetz vieler Hundeliebhaber, diese Rasse nicht zu scheren, aber warum mischen sich fremde Menschen in solche Angelegenheiten ein? Gute Menschen sind es jedenfalls nicht. Die Person, die sich über den gescherten Briard mokiert hatte, blieb mit stumpfen Ausdruck auf der Mauer sitzen und ließ uns weiterlaufen. Wir hatten auch viel Wichtigeres zu tun.

Mein Vater konnte kaum noch laufen. Die vor Jahren von einer Zecke ausgelöste Borreliose machte seinem linken Knie zu schaffen. Wir fanden eine Apotheke und kauften ihm eine kleine Packung Voltaren-Schmerztabletten. In einem kleinen Strassencafé spülte er eine Pille mit einem Bier und einem Windbeutel herunter. Immer wieder versuchte er Uli auch welche anzudrehen und wiederholte dabei die Worte „Uli, Voltaren-Party heute Abend. Uli, Voltaren-Party.“

Nach der Dämmerung begann vor allem am Ufer der Regnitz ein großes Gedränge um die Bierbänke und Toilettenplätze. Jedes Jahr steht das große Stadtfest in der Kritik. Hauptsächlich wegen der zunehmenden körperlichen Gewaltakte und der Wildpinkler. Während man ersteres nur schwer in den Griff bekommen konnte, wurde das Wildpisser-Problem durch die „Piss-nix-in-the-City-Karte“ relativ geschickt gelöst. Mit dieser Karte war es möglich öffentliche Urinal zehn Mal zum Preis von vier Euro zu benutzen.

Mein Vater bewegte sich in der Geschwindigkeit seines Bootes durch die Menge und hatte von der Windbeutel-Voltaren-Bier-Mischung einen leicht glasigen Blick bekommen. Auf einer der Bierbänke erzählte er fremden Menschen von seiner Freundin Andrea und von der Wasserleiche, die er vor zwei Jahren aus dem Rhein gezogen hatte. Dann nahmen wir zusammen Schnupftabak und schauten uns die Franken an.

Die Nacht war angenehm lau, überall hingen Lampions, die Männer pissten trotzdem unter die Brücken der Regnitz und überhaupt war alles ganz zaubrisch und alles strömte und jauchzte. Ich schaute meinen Vater an, der alle Mainkilometer beschifft hatte. Wer war froher als er!

Und auch seinen Freund Uli betrachtete ich genau. Und ich dachte: Beide sind Mitglieder im Verein „Wassersportfreunde Budenheim“ und danken täglich den Strömungen der großen Flüsse Deutschlands dafür, dass ihr Hobby, das sie immer wieder als lebensgefährlich einschätzen, sie bisher vorm Untergang bewahrt hat.

Und spät nachts stiegen sie wieder auf ihre Schiffe. Ich hörte, dass sie auf den Main anstießen, auf seine Schönheit, auf die Poesie, auf die Frauen in Bamberg und die eigenen Träume. „Auf zum Main-Donau-Kanal!“ flüsterten sie noch oft, so leise, dass sie den Zauber nicht störten.